Geschichtlicher Rückblick über Hofberg-Oberköllnbach

Das landschaftlich reizvoll zwischen waldigen Hügeln gelegene Dorf Oberköllnbach mit der auf einer Anhöhe sich erstreckenden Siedlung Hofberg, durch kein zu rauhes Klima begünstigt, liegt 426 - 470 m hoch. Der Ortsteil Hofberg ist bekannt durch seine zahlreichen Quellen, die dem Boden Fruchtbarkeit verleihen. Natürlicherweise zog ein so ideales Wohngebiet frühzeitig Menschen an, wenngleich nicht sicher ist, wann in Oberköllnbach die erste Siedlung erfolgte.

Eine Nachricht bei Michael Wening in seiner Beschreibung des Rentamts Landshut lässt vermuten, dass schon zur Römerzeit sich dort möglicherweise ein großer Hof, vielleicht eine sog. Villa rustica, befand: "Anno 1690 hat letzt verstorbener Herr Graf von Haunsperg in denen Weinbergen ein gantz stainerne Sarch von einem haydnischen Ritter gefunden". "Haydnisch" kann in diesem Zusammenhang fast nur "römisch" heißen. Über den Verbleib des Sarkophages ist nichts bekannt. Aber bewiesen ist mit der Wening'schen Notiz eine Siedlung schon zur Römerzeit noch nicht, solange nicht eindeutige Funde gemacht werden. Interessant ist, dass in dem nicht weit entfernten Mettenbach römische Münzen aus der Zeit um 243 - 254 gefunden wurden, was zeigt, dass dort zumindest um 250 n. Chr. sich Menschen angesiedelt hatten.

Mit Sicherheit ist eine Besiedlung Köllnbachs erst zu bajuwarischer Zeit, nach 500 nachweisbar, wie sich aus den Gräberfunden zu Unterköllnbach ergibt. Die Bajuwaren kamen im Zuge der Völkerwanderung um 500 aus Böhmen ins heutige Altbayern und wurden dort sesshaft, u.a. auch in Köllnbach. Entweder gab es im heutigen Oberköllnbach auch schon Höfe, dann war das alte Köllnbach von Anfang an zweigeteilt, oder es verlagerte sich in der Folgezeit die Hauptsiedlung von Unterköllnbach nach dem weiter nördlich gelegenen Oberköllnbach. Als sicher darf gelten, dass bis ins 15. Jahrhundert Unterköllnbach nur aus 2 Höfen bestand, während im Mittelalter das jetzige Oberköllnbach ohne jeden Zweifel das Zentrum Köllnbachs war.

Aus der bajuwarischen Zeit stammt auch der Name des Ortes Köllnbach, was althochdeutsch Colinpah heißt und "Quellbach" bedeutet. In nachmittelalterlicher Zeit wurde daraus Ober- und Niederköllnbach und erst im 18. Jahrhundert das heutige Unterköllnbach.

Die nächste sichere Nachricht ist erst wieder eine Karolingerurkunde aus dem Jahre 878, in welcher Abt Hitto vom Kloster Mondsee seinen Besitz dem Kloster und Bistum vom Hl. Emmeram in Regensburg nach seinem Tode übergibt. Inzwischen war Bayern christianisiert worden. Das alte Bistum Regensburg, das schon zur Römerzeit nachweisbar ist, wurde von Bonifatius 732 neu organisiert. Wie die Gräberfunde von Unterköllnbach zeigen, waren jedoch die dort Bestatteten noch keine Christen. Als Leben des Klosters Mondsee und als Besitz des Regensburger Bischofsstuhls aber ist anzunehmen, dass der Ort inzwischen christianisiert worden war. Die Bekehrung zum Christentum muss zwischen 750 und 850 erfolgt sein.

Das letzte Jahrhundert des ersten christlichen Jahrtausends war in Zentraleuropa überschattet von den Einfällen großer Reiterstämme aus dem Schwarzmeergebiet. Ob bei

dem für Altbayern verheerenden Ungarneinbruch nach 900 auch Köllnbach verwüstet wurde, ist nicht bekannt. Die Steppenreiter wurden in der berühmt in der Schlacht auf dem

Lechfeld 955 vernichtend geschlagen. Damit war die Gefahr gebannt. Nachdem die verheerenden Ungarneinfälle vorüber waren, wurden ziemlich überall im Land in den Siedlungen starke, befestigte Türme errichtet, die dann zu Burgen ausgebaut wurden, um einen Schutzort zu bilden, wo man bei feindlichen Überfällen Zuflucht finden konnte. Es ist anzunehmen, dass auch die Oberköllnbacher Burg, zuerst wohl nur in sehr bescheidenen Ausmaßen, so errichtet wurde.

Um 1200 ist diese Entwicklung im Wesentliche abgeschlossen. Fast jedes Dorf hatte seinen Herrn, der sich nach dem Ort benannte, wo er wohnte. Auch Oberköllnbach, damals Khölnpach (Cholnpah, die Schreibweise schwankt) hatte eine solche landadelige Familie: Die Kholnpachs. Es ist wahrscheinlich, dass sie Oberköllnbach als Lehen bekommen haben, jedoch mit Ausnahme gewisser Höfe, die bis nach 1500 im Klosterbesitz verblieben waren und möglicherweise auf die Schenkung des Abtes Hitto von Mondsee zurückgehen.

Einige Generationen von dieser Kholnpachsippe sind namentlich bekannt: Sie heißen mit Vornamen immer Pernhardt (= Bernhard). In einer Urkunde vom 18. März 1295 des Klosters Seligenthal tritt ein Pernhart von Cholnpach neben Fridrich von Armansperg und Alcuin von Grissenbach als Zeuge auf, Ein Grabstein in der Dorfkirche aus der Zeit um 1350 erwähnt in gotischen Majuskelbuchstaben: "Hie ist Bernhart von Choelmbach und sain Sun und saimiu Minchel begraben. Gotd muezz ir Sel haben". Der über 2 in hohe Granitstein zeigt in der Mitte das Wappen der Cholnpachfamilie. Seit der Kirchenrenovierung, 1947/48 ist der Grabstein gut sichtbar am Kircheneingang aufgestellt.

Das Leben im Dorf spielte sich wie überall in Altbayern ab, wo von einem Adeligen die Grundherrschaft ausgeübt wurde. Jagd und Fischfang war Monopol des Grundherrn, ebenso das Fällen von Bauholz. Er besaß die rechtmäßige Weinpresse, hatte die Mühle und den Backofen (er steht heute noch westlich des Rentenverwaltungsgebäudes), für deren Benützung die Grundholden (unfreie Bauern) Abgaben zahlen mussten.

Im Rahmen des Schlossgutes wurden alle Berufe ausgeübt, die zum Unterhalt nötig waren, wie Schmied. Müller, Schreiner usw. Diese waren aber keine selbständigen Handwerksbetriebe im heutigen Sinne; sie waren nur zur Versorgung des Schlossgutes da, sie standen also den Untertanen nicht zur Verfügung. Die übrigen Bewohner gehörten dem unfreien Bauernstand an. Dadurch blieb Oberköllnbach ein rein agrarisch genütztes Gebiet. Die Bewirtschaftung des Bodens blieb somit die traditionelle Beschäftigung der Köllnbacher Einwohner durch die Jahrhunderte. Sie mußten dem Grundherrn Abgaben, zuerst in Naturalien, später in Geld zahlen und auf dem Gutshofe Frondienste leisten. An Wald, Wasser und Weide stand ihnen, mit Ausnahme von Jagd und Fischfang, die Nutznießung zu. Sie unterstanden auch, soweit es kleinere Vergehen waren, dem Gericht des Grundherrn, der es vor allem finanziell durch Geldstrafen nutzen konnte. Kapitalverbrechen mussten jedoch an das herzogliche Landgericht verwiesen werden.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) musste auch Oberköllnbach die Schrecknisse des Krieges über sich ergehen lassen. Die Bevölkerung flüchtete sich mit Vieh und sonstiger Habe in die Burg und der damalige Burgherr Ladislaus von Törring versuchte, seinen Herrensitz zu verteidigen, was ihm aber nicht gelang. Die Schweden stürmten das Schloss und hausten darin in schrecklicher Weise. Der Burgherr selbst hatte sich gerade noch durch Flucht retten können. Aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges dürften auch die unterirdischen Fluchtwege stammen, von denen sich in Oberköllnbach einer teilweise erhalten hat.

Schließlich residierten im Schloss Oberköllnbach die Grafen von Arco Valley und zu ihrem Patrimonialdistrikt gehörten die Ortschaften und Ortsteile Oberköllnbach, Unterköllnbach, Hofberg, Armannsberg, Wasenstatt, Einaich, Hagmühle, Stockau, Roglkreuth, Veitsbuch, Raffach, Hösacker, Leinbach, Hölskofen, Unterröhrenbach, Postau, Unholzing, Hollerau, Steckbrunn.

Im Revolutionsjahr 1848 ging die standes- und gutsherrliche Gerichtsbarkeit an den Staat über. Die Abhängigkeit vom Gutsherrn entfiel. An ihre Stelle trat der freie Bürger. Die politischen Gemeinden entstanden.

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Gemeinde Postau

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